Alisa Mattern zeigt ihre Kollektion in Paris

Die Designerin aus Biebertal präsentierte 15 Kleider in Paris.

Volker Mattern schrieb in seinem Artikel in der Gießener Allgemeinen: Die beiden Omas von Alisa Mattern wären stolz, ihre Enkelin auf der Pariser Fashion Week zu wissen; aber Stolz waren Hilde Mattern und Sophie Dörfler ohnehin bereits zu ihren Lebzeiten. Schon bald stand der berufliche Weg der Enkelin fest, denn Nähen und Schneidern wurde der Fellingshäuserin sozusagen in die Wiege gelegt. Am Anschauungsunterricht der Omas und deren Fingerfertigkeiten, deren Geschick im Umgang mit Nadel, Zwirn und Schere entdeckte sie ihren Spaß am Handwerken schon früh. Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, um für sich und auch zur Freude anderer Menschen etwas zu bewegen, so stand der Plan. Was zunächst mit dem Fachabitur in Textiltechnik und Bekleidung 2008 begann, wurde vier Jahre später mit dem Absolvieren der Schneiderausbildung besiegelt und 2014 dann mit der erfolgreichen Meisterprüfung. Doch damals hätte sich die heute 35-Jährige nicht träumen lassen, einmal ihr Können in Paris, der Hauptstadt der Mode, zeigen zu dürfen. Allerdings konnte man im Schaufenster ihres kleinen Geschäftes in Rodheim verfolgen, wie sich die Ausstellungsstücke über die Zeit von 10 Jahren veränderten und wie sehr, auf Facebook zu sehen, die Augen der Bräute in Alisas Kleidern leuchteten.

Inzwischen ist Alisa „tief beeindruckt und beseelt von einem wunderbaren und unvergesslichen Erlebnis“, wie sie Volker Mattern gestand, aus Paris zurück.
Dort war sie eine von drei Designerinnen aus Deutschland und fünf weiteren aus Österreich, die im Rahmen der „Paris Fashion Week“ der Herbst/Winter-Saison 2026 einem 100-köpfigen Fachpublikum und anderen Modeinteressierten ihre Kollektionen präsentierten.

Wie es dazu kam?
Auch das verriet uns Volker Matten in seinem Zeitungsbericht: Die Gilde des Schneider- und Designhandwerks ist gut vernetzt untereinander. Man kennt sich, tauscht sich aus, besucht sich und sieht sich keinesfalls als Konkurrenz, sondern vielmehr als sich gegenseitig bereichernd. Über Kontakte kam die Anfrage zur Teilnahme an diesem ganz besonderen Event. Dieses stand unter dem Motto „Style and Glamour“. Damit war die Richtung, zumindest grob, vorgegeben. Nach kurzem Zögern ging es ans Werk, nachdem sie im ersten Schritt die Jury mit ihrer Bewerbung überzeugte und so das Ticket für die französische Metropole löste. Es folgte ein hartes Stück Arbeit, und so manch einer dürfte sich gewundert haben, warum seit Anfang Februar bis weit über die mitternächtliche Stunde hinaus an vielen Tagen während fünf Wochen – auch an Wochenenden – im Schneideratelier in der Gießener Straße in Rodheim-Bieber noch Licht brannte. Für den Laufsteg und das Punkten in Paris mussten 15 neue Kleider aus Abend- und Brautmode in fünf Wochen entstehen!

„Ich habe die Stoffe bestellt, hatte meine Bilder vor Augen, gedanklich alles strukturiert und legte los“, erinnert Alisa sich. Fünf Wochen für das Designen und Nähen, und zwischendurch an Kundenaufträgen arbeiteten. Spannend bei dieser Doppelbelastung war die Erfahrung, für ihre „Fashion Week“-Kollektion ausschließlich ihre Fantasie benutzen zu können, während bei Kundenaufträgen auch deren Vorstellungen zu berücksichtigen sind.

Am Ende waren die Koffer gepackt, die Aufregung stieg, und in Begleitung ihrer ehemaligen Mitarbeiterin Anna Nitsch sowie ihrer Eltern Susanne und Heiko Mattern ging es mit der Bahn in die Stadt an der Seine. „Es war schon etwas Besonderes, von meinem kleinen, aber feinen Atelier im ländlichen Biebertal in die Welt des Fünf-Sterne-Luxushotels ‚La Maison‘ zu kommen“, berichtet die junge Modedesignerin. Die internationale Model- und Eventagentur 1st Place Models, mit ihrem bekannten Modelmanager Dominik Wachta aus Österreich, hatte dieses Event organisiert. Die Agentur möchte sich als Plattform verstanden wissen, die Designer und Models aus unterschiedlichen Ländern in Kontakt bringt und ihnen eine Bühne bei großen, internationalen Modeveranstaltungen bietet.
Alisas Kollektion zeichnete sich dadurch aus, modern und – im Gegensatz zu etlichem in Paris vorgestelltem – zugleich tragbar zu sein, was bei einigen Beobachtern positiv bemerkt wurde.

Doch bevor es auf den Laufsteg ging, mussten die Kleider ausprobiert und einzelnen noch vor Ort an die Figuren der 20 Models angepasst werden.
Bei der Veranstaltung im Prachtsaal des Luxushotels präsentierten dann auch mehrere hochkarätige Designer ihre Arbeiten vor den 100 geladenen Gästen.
Dass die „Looks“ der Biebertalerin positiv auffielen, bestätigte die junge Designerin darin, dass sie ihr Ziel beim Design, dem Zusammenspiel aus Struktur und Schnitttechnik, erreicht hat. Sie erinnert sich, dass besonders ihre Abend-„Looks“ mit den ungewöhnlichen Drapierungen die Aufmerksamkeit der Fotografen weckten. Insgesamt bestärkt die Teilnahme an der „Paris Fashion Week“ die Arbeit der Künstlerin.
Preise im materiellen Sinne gab es dort nicht zu gewinnen, aber es war ein einmaliges Erlebnis für die junge Unternehmerin. Der schönste Preis war es, dabeisein zu dürfen, und die dort erfahrene Wertschätzung. Vielleicht ein Sprungbrett? „Mal sehen, was noch kommt“, übt sie sich in Bescheidenheit, aber zugleich und vor allem in Dankbarkeit für die große Unterstützung durch Familie, Freunde und ehemalige Kolleginnen, die ihren bisherigen beruflichen Weg begleiteten.

Quelle: Volker Mattern, Gießener Allgeneine, 02.04.2026, https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/biebertal-ort848760/alisa-mattern-zeigt-ihre-kollektion-bei-der-paris-fashion-week-94246352.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert