Wilfried und Astrid Brünig, Medienpädagoge und Filmemacher*in, (Brüning Film)

boten am 26.10.2026 eine lebendige und inhaltlich kompetente Veranstaltung im großen Saal des Bürgerhauses in Rodheim an. Leider war der Saal nur zur hälfte besetzt; glücklicherweise mit vielen eher jüngeren Menschen, zumeist Frauen/Müttern.
Väter glänzen bei derartigen Themen leider oft durch Abwesenheit, dabei ist es gerade bei diesem konfliktträchtigen Thema so wichtig, dass die Eltern ihre Aufgabe verantwortungsbewusst gemeinsam, eindeutig und konsequent wahrnehmen.
Da unser Gehirn von hinten unten, von sehr alten lebenssichernden Strukturen (Stamm- oder Reptiliengehirn) über die für Gefühle und Erinnerungen zuständigen Mittelhirn- (oder Säugetiergehirn) ist zum jüngsten Neokortex (Großhirn) und insbesondere zuletzt (mit ca. 25 Jahren) das Frontalhirn ausreift, sind Kinder zu steuernden, vernünftigen Entscheidungen nur mäßig fähig. => Über manches wird nicht diskutiert.

Kindern sind naive Realisten, sie können noch nicht zwischen real und virtuell = digital, simuliert, künstlich, computergeneriert, unwirklich, nicht real, scheinbar, imaginär, fiktiv, denkbar, möglich, fake nicht unterscheiden.
Kinder arbeiten nach dem Lustprinzip: angenehmes wiederholen, unangenehmes meiden.
Medien verschaffen ganz viele Belohnungsreizt, sind also hoch attraktiv und damit suchtgefährdend.
Wie aber sollen wir uns verstehen, wenn wir nur wenig wissen, wie wir und insbesondere unser Nervensystem funktioniert.
Stellen Sie sich einmal vor, dass ein kleines Kind zwar schon viele Nervenzellen besitzt, dass die aber noch ständig viel Neues erleben, so dass sich immer neue Netzwerke an miteinander verbundenen Informationseinheiten bilden. Je mehr Vernetzungen entstehen, desto schlauer! und um so besser kann gelernt werden, da Neues immer an vorhandene Strukturen angedockt werden muss.
Zwischen zwei Welten meint: die reale dreidimensionale Welt, in der wir mit allen Sinnen Erfahrungen machen, und die virtuelle Welt, in der wir nur eingeschränkte und vor allem kommerziell gelenkte Sinneseindrücke von einem zweidimensionalen flachen Raum bekommen.
Je weniger Erfahrungen Kinder, insbesondere Kleinkinder, im dreidimensionalen Raum machen können, um so weniger Informationen werden aufgenommen, um so weniger neuronale Vernetzungen entstehen.
Viele Nervenzellen springen bei zweidimensionalen Angeboten erst überhaupt nicht an, d.h. dargebotene Informationen verpuffen.
Später in der Schule kommen die Kinder nicht so gut mit, wie andere, langweilen sich, stören, sind frustriert, obwohl sie prinzipiell ähnlich wissbegierig sind wie ihre Mitschüler. Aber der Boden, auf den die Informationen fallen, ist nicht so fruchtbar, wie der der Kinder, die eine Fülle von nervlichen Verdrahtungen bilden konnten.



Wenn wir erwachsen sind, sind die ca. 100 Milliarden Nervenzellen, die im Durchschnitt mit 10.000 anderen Zellen vernetzt.


Alle Verbindungen die wir häufig nutzen werden stabilisiert,
die, die wir wenig nutzen, werden abgebaut.
Das Prinzip lautet: „use it, or loose it“.
Je mehr an Verbindungen da ist, um so mehr passt an neuen Informationen in unser Gehirn hinein;
da ist keine Festplatte, die vollläuft.
Früher mehrsprachiger Spracherwerb braucht im Hirn wenig Raum im Sprachzentrum, spätes Sprachenlernen bedarf vieler Assoziationen über das gesamte Gehirn.
Seit den 1990er Jahren, seit es Handys bis Smartphone gibt, hat eine Entwicklung stattgefunden, die damals niemand voraussehen konnte: heutzutage könnte man meinen, dass die mobilen Endgeräte inzwischen fast am Körper angewachsen sind.
Problem dabei, dass einmal mit jedem Handy auch eine riesige „black Box“ an süchtigmachenden Algorithmen erworben wird und zum anderen, dass unsere Zeitwahrnehmung damit linear wird, ununterbrochen, immer verfügbar erscheint, so dass unsere natürliche, zyklische Zeit, die von Rhythmen wie Tag / Nacht, Ein- / Ausatmen, Anspannung / Entspannung, Aktivität / Pause gekennzeichnet ist, kaum noch Beachtung findet.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der-smartphonenutzer-in-deutschland-seit-2010
Ein großes Thema, insbesondere bei Videospielen, aber auch schon beim Wischen des Kleinkindes über das Tablet, wo etwas passiert, ist die Ausschüttung des Belohnungshormons Dopamin. Die erfolgt in der virtuellen Welt deutlich häufiger und intensiver, als in der realen Welt.
In Versuchen mit Ratten, die einen Knopf drücken mussten, um über eine Elektrode in ihrem Gehirn eine Dopaminausschüttung als Belohnungsreiz zu erhalten, drückten so begeistert und lange den Knopf, bis sie verhungerten.

In Deutschland liegt der Anteil der Bevölkerung, der ein Smartphone besitzt bei 64.830.000, d.h. 78,8 % und erschreckenderweise wird auch die Zahl Kinder und Jugendlichen mit Smartphone immer größer.
Da gibt es eine gesellschaftliche Tendenz, die Kinder in der realen Welt immer mehr zu behüten, sie dann aber in der virtuellen Welt allen möglichen Gefahren unkontrolliert auszusetzen.
Ein gezeigter Post dazu: “

Der beste Spruch zum guten Ende: Wie viel NICHT-Entwicklung will ich (mit Medinenkonsumzeit) meinem Kind zumuten?
Für jede 10 Medien-Minuten online sollte unbedingt mit 30-40 Minuten freiem Spiel in der Natur verbunden werden.
Bilder und Video: Lindemann und C. Haus
