Erste Bauausschusssitzung der neuen Legislaturperiode

Nach der Kommunalwahl vom 15. März 2026 eröffnete die neue Vorsitzende des Ausschusses für Bauen, Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr und Energie Dr. Anne Schmidt am 9. Juni 2026, unter großem Interesse der Öffentlichkeit die erste Sitzung des Ausschusses.
Die lange anstehenden Themen brachten dann auch eine aufgeheizte Stimmung mit sich.

Nach der Begrüßung TOP 1 stellte Siggi Gröf für die Grünen den Antrag, den Tagesordnungspunkt 6 von der Tagesordnung zu nehmen, da bei grassierenden Baukostenzahlen von etwa 5,9 Millionen Euro für den Neubau der Mehrzweckhalle in Krumbach die Gemeindevertreter wieder einmal zu viele Fragen ungeklärte seien. Frau Ortmann korrigierte, dass sich die Kosten nach neuesten Schätzungen inzwischen auf 6,3 Millionen Euro beliefen, dass offene Fragen erst im Haushalts- und Finanzausschuss mit den dann anwesenden Architekten geklärt werden könnten; dass dafür aber der Tagesordnungspunkt im Geschäftsgang bleiben müsse. Daraufhin wurde der Antrag zurückgezogen.

Bei der Diskussion um den Bauleitplan „Hinter dem Rillscheidt II“, wo einmal auf dem Grundstück der Bieberer Ärzte ein Ärtzehaus mit Apotheke entstehen soll sowie auf dem Grundstück der Gemeinde eine Kita und Altenpflege angedacht ist, gab es den nächsten Eklat. Als sich Sebastian March, stellvertretend für die Landwirte, über den Umgang der Gemeinde mit den Landwirten und der Verteilung der Ausgleichsflächen für Naturschutzmaßnahmen beschwerte, stoppte Frau Ortmann seinen Redebeitrag. Da er als Betroffener befangen sei, musste er, wie auch Herr Williershäuser (interessanterweise nicht die Ausschussvorsitzende, ebenfalls Landwirtin) nach den Statuten der HGO den Sitzungssaal verlassen, durfte seine Argumente (zumindest in diesem Kreis nicht öffentlich) nicht vortragen. Aus meiner Sicht als Zuhörer wirkten die Fronten verhärtet, obschon Kritik normalerweise als eine willkommene Chance genutzt werden sollte, um mögliche Verbesserungen in Prozessen zu organisieren.

Herr Adler von beauftragten Planungsbüro stellte dann in kurzem Abriss den letzten Punkt des Bauleitverfahrens vor; nach immerhin 3 Jahren Vorlaufzeit wegen der einzuholenden Einlassungen der Behörden mit öffentlichem Interesse, wie unterer Naturschutzbehörde, Archäologie usw.:

Im Bild zu sehen, es geht um das orange markierte Feld, wobei das kleiner Feld das Areal für das zukünftige Ärztehaus ist.
Lange zeitliche Verzögerungen und Verhandlungen hatten sich ergeben, da auf dem Grundstück der Gemeinde der Ackerhahnenfuß (Ranunculus arvensis) gefunden wurde, der als geschützte Art umgesiedelt werden soll. Dazu musste mit einem Landwirt ein 30 Jahre lang wirksamer Vertrag über die dann notwendige Bodennutzung geschlossen werden. Dabei ist der Hahnenfuß (auch als Butterblume bekannt) unbeliebt, weil er sich durch unterirdische Ausläufer rasch ausbreitet und andere Pflanzen verdrängt. Zudem ist er giftig und ein sogenannter Zeiger für Staunässe und verdichtete Böden, die sein Lebensraum sind. Letztlich aber, da die Gemeinde auf diesem Stück voraussichtlich wegen der Finanzlange erst einmal nicht bauen wird, erscheint die gesamte Aufregung um das Thema völlig überflüssig.
Letztlich wurde dem Fortgang des Verfahrens, TOP 2 + 3, das noch eine weitere Offenlegungsphase vor dem Baubeginn beinhaltet, einstimmig zugestimmt.

Der Beschluss über die Straßennamen im Baugebiet „Dreispitz III, Erweiterung West“, TOP 4, wurde zurückgestellt und (obschon inoffiziell mit dem Ortsbeirat besprochen) an eine öffentliche Diskussion im Ortsbeirat Fellingshausen zurücküberwiesen.

Zum Sachstand Windenergiepark im Helfholz, TOP 5, gab es keine neuen Erkenntnisse.
Interessant dazu ist allerdings ein Artikel zur Trinkwasserversorgung der Gemeinde Biebertal, der auf der Seite „Aktuelles aus der Gemeinde“ in biebertal.de veröffentlicht ist.

Die meisten der Zuschauer, etliche mit dem T-Shirt „Mehrzweckhalle Krumbach JETZT“, interessierte die Entwicklung um Ihren möglichen Versammlungsort für das Sport- und Gemeinschaftsleben im Ortsteil Krumbach. Seit 15 Jahren geht die Diskussion um die marode Mehrzweckhalle in Krumbach, TOP 6, und nun pressiert es mit einer eindeutigen Entscheidung, da im Rahmen des IKEK-Programms 1,5 Millionen Euro in Aussicht stehen, die Frist dafür aber 2027 ausläuft.

Da die Planer nicht anwesend sein konnten, stellte Frau Ortmann die aktuellen Entwicklungen, Planungen und Umplanungen vor. Das aktuell an der Mehrzweckhalle hängende Areal der Feuerwehr Krumbach nicht förderfähig ist, blieb dieser Bereich von den Planungen ausgespart. Da wird in Richtung >Feuerwehrstützpunkt Nord< in absehbarer Zukunft ein eigenes kostspieliges Projekt von der Gemeinde zu entwickeln sein.

Die aktuelle Planung sieht sozusagen den Mindestbedarf der für Vereine, Kita und der vom Ortsbeirat vorgegebenen Flächen vor, der zugleich auch zukunftsfähig erscheint und ausreichend Parkmöglichkeiten (600.000 €) für Feuerwehr und MZH-Besucher vorsieht. Bei insgesamt ca. 6,3 Millionen Baukosten würde der Eigenanteil der ca. 800 Krumbacher Bürger*innen rund 8.000 €/Person betragen. Damit ließe sich sorglos bauen. In der Praxis aber wird solch ein Bauvorhaben jedoch von der Gemeinde kreditfinanziert werden müssen und von allen Biebertalern, vermutlich mit einer Grundsteuererhörung, getragen werden. Da muss von den Gemeindevertretern in der kommenden Gemeindevertretersitzung entschieden werden, ob alle Ortsteile gleich behandelt werden oder ob vormals gegebene Versprechen revidiert werden, obschon alle Parteien betonen, dass sie das Projekt unterstützen – aber eben mit den Bedenken wergen der hohen Kosten. Man darf gespannt sein, wohin die Voten tendieren; ob die gewählten Vertreter das Projekt abblasen, das Bauen wieder in der eigenen Regie behalten wollen oder clever genug sind, einen Generalübernehmer für einen (vermutlich günstigeren) Fixpreis mit dem Bau zu beauftragen. Denn die von den Architekten kalkulierten Baukosten für die MZH erscheinen weit über den z.B. für den Bau selbst von Mehrfamilienhäuseren notwendigen Baukosten pro Quadratmeter umbauten Raumes zu liegen.

Zu TOP 7, gab es dann keine Anfragen und Mitteilungen mehr und die Versammlung wurde geschlossen.

Fotos: Lindemann

PS: Im Haupt- und Finanzausschuss sah die Zustimmung zum Neubau der Dünsberg Begegnungsstätte (MZH) in Krumbach dann nicht mehr so einhellig aus:
Es wurde zwar beschlossen, der Gemeindevertretung, die Beantragung der IKEK-Förderung zu empfehlen, gleichzeitig aber auch (trotz Ergebnissen der Machbarkeitsstudie) die Kosten für eine Sanierung der Mehrzweckhalle zu prüfen, um die möglichen Kosten für die Gemeinde gering zu halten.

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