Bilderausstellung und Kostümführung rund um die Burg

„Völlig Losgelöst von der Erde“ aus dem Lied Major Tom von Peter Schilling erschallt es im Stadion, wenn die Nationalmannschaften im Fußball ein Tor erzielt. Die Vetzberger singen ab sofort – „Völlig ausgebucht sind die Kostümführungen“, denn das waren sie nicht nur am vergangenen Ostersonntag. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es Ende Juni erneut die Kostümführung mit „Frau Kommerzienrat“ aus Gießen. Allerdings sind auch diese beiden Führungen bereits jetzt schon ausgebucht. Ich glaube die Organisatoren sind selbst überrascht, wie viele Menschen sich diese Führung anschauen möchten.

Dr. Jutta Failing alias Frau Kommerzienrat

Ende des 19. Jahrhunderts blühte auch im Gleiberger Land der Burgentourismus. Ruinen, deutsche Ritterromantik und Handkäse zogen auch feine Herrschaften ins Biebertal. „Frau Kommerzienrat“, eine der ersten Ärztinnen in Deutschland, und mit einem Gießener Keksfabrikanten (Teegebäck und Konfekt) verheiratet, wollte schon immer mal die Burg Vetzberg besuchen. Eigentlich war sie mit ihrem Mann zum Picknick bei Wilhelm Gail im Park eingeladen. Dort hält ihr Mann die Stellung bei Champagner und Hummer-Canapés), während sie allein auf ein Stündchen ins preußische „Ausland“/Vetzberg geht.

Das Premium-Produkt (Reklame) ihres Mannes, Friedrich „Fritz“ von Dattelpflaum, das ihn zum großherzoglich-hessischen Hoflieferanten in Gießen machte. In Gießen gab es seinerzeit (Tatsache) mehr als 10 Hoflieferanten. Sogar der Kaiser in Berlin aß Gießener Wurst!

Ihr Mann ist natürlich Mitglied im Gleiberger Geselligkeitsverein (wie die ganzen Gießener Honoratioren; Gail und der alte Schmitter Baron Adrian van der Hoop, der ihr auch einige Infos über Vetzberg hat zukommen lassen hat, sind auch im Gleibergverein). Mit handlichem Reiseführer („Führer durch das Lahntal“, das Originalbuch von 1905 (hatte sie bei der Führung dabei) und wachem Auge und Begeisterungsfähigkeit erkundet sie das Oberdorf und die Burg.

Jutta Failing spielt die Frau Kommerzienrat so klasse und bringt die Geschichte modern rüber. Ich war selber bei der ersten Führung mit dabei und das Publikum war von jung bis alt vertreten. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Rodheim früher zum Besitz Hessen-Darmstadt und Nassau-Weilburg gehörte, während direkt nebenan Vetzberg zum Besitz der Preußen zählte oder das es in ganz Biebertal nicht eine Hexenverbrennung gab? Klar man alles im Internat nachlesen, aber auf einer geführten Tour kommt es doch ganz anderes rüber. Beginn der Tour ist der Vorplatz zur Burg. Von dort geht es weiter zum Torbogen (gotische Torturm aus dem 14. Jahrhundert mit zwei Flügeltorpaaren, Fallgitter, Pechnase und Schießscharten), der früher der einzige Eingang zum Dorf war. Von da aus ging es weiter zum alten Friedhof, wo man nicht nur einen tollen Blick in Richtung Königsberg hat, sondern auch gut sehen kann, wie die Häuser auf die alte Ringmauer gebaut wurden.

Mehr zur Führung und Geschichte findet ihr im ganzen Beitrag auf Vetzberg.

Beitragsbild: vetzberg800.de
Bild 2: Jutta Failing
restlichen Bilder: C. Haus
Quelle: eigene Teilnahme, biebertal.de, alemania-judaica.de, vetzbergverein.de

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