Am 11.02.2026 fand die letzte Sitzung der Biebertaler Gemeindevertretung in der laufenden Legislaturperiode statt. Am 15. März wird gewählt und die Sitzverteilung neu gemischt.

Da ich erst, nach eigener Veranstaltung im Rahmen vom Generationendialog im kleinen Saal des Bürgerhauses in Rodheim zum Thema >Vertrauen und Verbindlichkeit in Beziehungen<, verspätet in den großen Sitzungssaal kam, habe ich die Beschlüsse des Abends nicht mitbekommen, aber die Abschiedsrede vom Elke Lepper noch gehört.
Da ich es zu schade fand, dass diese Worte nur wenigen Zuhörern im Raum bekannt werden würden, habe ich Elke gebeten, die Rede dem Team vom Biebertaler Bilderbogen zu schicken, um sie öffentlich zu machen. Diesem Wunsch ist die langjährig ehrenamtlich für Biebertal Tätige prompt nachgekommen, so dass ich mich freue, Ihnen die Rede der Gemeindevertretungsvorsitzenden bekannt zu machen.
Damit gehen wir einen weiteren Schritt in Richtung Transparenz, einem dauerschwierigen Thema in Biebertal.

Liebe Parlamentarierinnen und Parlamentarier, liebe Anwesende,
dies war heute meine letzte Sitzung als Vorsitzende der Gemeindevertretung.
Ich werde bei der Kommunalwahl am 15. März nicht mehr antreten. Ich habe dieses Amt gerne ausgeübt, wenn es auch im Laufe der Jahre nicht immer leicht war.
In etwa 400 Sitzungen (Gemeindevertretung und Ausschüsse und Ältestenrat) an denen ich in den 10 Jahren teilgenommen habe, haben wir über die Beschlussvorschläge und Anträge von Verwaltung und der Fraktionen beraten, diskutiert und abgestimmt.
Wir haben das ein oder andere Mal vertagt, um uns nochmals Gedanken zu machen oder sogar ab und zu über den Haufen geworfen, was bisher besprochen wurde.
Aber trotz so mancher hitzigen Diskussion und trotz so mancher Missstimmung aufgrund von Meinungsverschiedenheiten haben wir in den 10 Jahren Zusammenarbeit vieles für Biebertal und die Bürger erreicht.
Im Nachhinein betrachtet, spiegelt es aber genau das wider, was wir im Gemeindeparlament zu vertreten haben: Die Demokratische Willensbildung. „Demokratie lebt vom Staat, von der Diskussion um den richtigen Weg. Deshalb gehört zu ihr der Respekt vor der Meinung der anderen“.
Die Entscheidungen, die in der Gemeindevertretung gefällt werden, sie betreffen unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger direkt und unmittelbar. Jeder Einzelne merkt es privat, in der Familie, in seinem Verein, im Betrieb. Im Gegensatz zu Landtags- und Bundestagsabgeordneten werden wir als Kommunalpolitiker ganz schnell mit den Folgen unseres Tuns und Handelns konfrontiert.
Es gehört auch zur Kommunalpolitik dazu, nicht mit allen Vorschlägen und Ideen durchzukommen. Manchmal sind die Bretter eben doch härter als die Bohrer. Rückschläge sind dann sportlich zu nehmen, ein beharrliches Weiterbohren ist die Devise.
Neben der Teilnahme an den Gemeindevertreter- und Ausschusssitzungen nimmt die Vorbereitung hierauf ja schließlich auch einen breiten Raum ein. Und nicht zuletzt erwarten unsere Bürgerinnen und Bürger zu Recht, dass Sie sich Zeit für Gespräche und deren Anliegen nehmen. Selbstverständlich benötigt man dann im Einzelfall auch mal ein dickes Fell sowie ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Denn, diese politische Binsenweisheit ist ja hinlänglich bekannt, man kann es eben nicht Allen recht machen.
Kommunalpolitik, das ist nicht bloß Politik im Kleinen, sie hat vielmehr großes Gewicht. In Berlin und Wiesbaden wird medienwirksam beschlossen und wir vor Ort müssen oftmals die Suppe auslöffeln, obwohl wir häufig genug im Vorfeld solcher Entscheidungen auf Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten für den Fall der örtlichen Umsetzung hingewiesen haben.
Ich war in aller Arbeit auf die Unterstützung der Verwaltung und die Zusammenarbeit mit Ihnen angewiesen. Am Ende sind wir es alle zusammen, die die Zukunft Biebertals festlegen. Insofern möchte ich mich bei Ihnen allen herzlich bedanken.
Persönlich freue mich jetzt darauf mehr Zeit mit meinem Mann verbringen zu können, der als ehemaliger Parlamentarier viel Verständnis dafür aufgebracht hat, dass er in vielen Wochen fast jeden Abend allein zuhause verbringen musste.
Danke!
Zum Abschied überreichte Inge Mohr im Namen aller Fraktionen, die vorne von ihren Fraktionsvorsitzenden vertreten wurden, einen Blumenstrauß – gefolgt von anhaltendem Applaus von allen Seiten. Die Bürgermeisterin, um das klarzustellen, hatte schon im Vorfeld abgesprochen, dass ihr Blumendank zu einem späteren Anlass überreicht werden wird.

Fotos: Lindemann

