Zur Erinnerung an Dr. Georg August Zinn, ehemaliger hessischer Ministerpräsident von 1950 – 1967

Dieses Foto von Georg August Zinn zeigt ihn 1948 als Mitarbeiter im Parlamentarischen Rat. Als es gemacht wurde, war das Land Hessen knapp zwei Jahre alt. Hessen feiert am 1. Dezember 2026 den 70. Jahrestag. Der Parlamentarische Rat, dem 65 Delegierte aus den damaligen Ländern angehörten, hatte die Aufgabe, eine Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland zu erarbeiten. Der Verwaltungsangestellte und Jurist, seit 1919 schon Mitglied der SPD, trat als Rechtsanwalt in Kassel während der Weimarer Republik auch gegen den späteren Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler auf.
Da er einer der wenigen unbelasteten Juristen war, setzen ihn die Amerikaner 1945 als Landgerichtsdirektor in Kassel ein.

Heute am 27. März 2026 jährt sich der Todestag von Georg August Zinn zum 50. Male. Als ich 1962 nach Hessen kam, regierte er in seiner dritten Amtszeit. 1967 trat er in seiner fünften Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig vom Amt zurück. Mein Vater war kein SPD-Wähler, aber er hielt große Stücke auf diesen Politiker. Mit Zinn verbunden ist der „Hessenplan“ und das „Programm Zur sozialen Aufrüstung des Dorfes“. Damit sollten die strukturellen Unterschiede zwischen der Stadt- und der Landbevölkerung verringert werden. Ein wichtiges Merkmal sind die Dorfgemeinschaftshäuser/ Mehrzweckhallen), deren Zahl bis Mitte der 1960er Jahr auf 220 Stück angestiegen war. Viele Gemeinden nutzten die finanzielle Unterstützung des Landes Hessen für den Bau, um fehlende Einrichtungen (wie Säle, Gemeindebüros oder Jugendräume) unter einem Dach zu vereinen. Es gab auch Gemeinschaftsküchen zum Schlachten bzw. Gefrieranlagen, als noch nicht jede Familie privat eine Tiefkühltruhe hatte und man die Erzeugnisse des eigenen Gartens und Stalls verarbeiten musste. Auch das Bürgerhaus Rodheim gehört in diese Zeit. 1961 war es das erste Bürgerhaus im Kreis Wetzlar (1852-1976 gehörte Rodheim (Biebertal ab 1971) zum Kreis Wetzlar). In den übrigen Dörfern baute man sie 15-20 Jahre später. Ein weiteres Ergebnis des Hessenplanes sind Gesamtschulen. Außerdem hatte Hessen besonders viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene aufgenommen. Am 1. 10. 1952 stammten bereits 17,3% der Bevölkerung aus den deutschen Ostgebieten. Für sie wurden Arbeitsplätze und Wohnungen erforderlich. Ein Beispiel für Arbeitsplatzbeschaffung ist die Gründung des VW-Werkes in Baunatal. Die beruhte auf den Grundgedanken des Plans: Umsiedlung von rund 100.000 Menschen aus Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit in Gemeinden mit günstigerer Arbeitsmarktlage, Schaffung von 25.000 neuen Arbeitsplätzen für Vertriebene in den strukturschwachen ländlichen Räumen, Errichtung von 3.000 landwirtschaftlichen Siedlerstellen. Meine Eltern kauften am Dorfrand eine Nebenerwerbssiedlung. Davon gab es viele in Hessen. In einigen Bundesländern sogar ganze neue Dörfer, wie z.B. Neugablonz in Bayern. Der Hessenplan wurde mehrfach angepasst. In Folge fanden in den Dörfen auch umfassende Flurbereinigungsmaßnahmen statt, damit es sich lohnte, die teils winzigen Ackerflächen Hessens (begründet auf der so genannten Realteilung im Erbrecht) mit Maschinen zu bearbeiten. Ausiedlerhöfe wurden finanziert. Dass dabei auch viel ökologisch wichtiger Strauch- und Baumbestand verloren ging, muss aus der damaligen Sicht gesehen werden, als es davon noch reichlich gab.
Georg August Zinn ist es zu verdanken, dass es noch viele Jahre nach seiner Amtszeit hieß „Hessen vorn“.

Zinn kurz vor seiner Abdankung 1967

https://de.wikipedia.org/wiki/Georg-August_Zinn

Fotos Bundeszentrale für Politische Bildung

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