Bei uns in Biebertal fielen in den vergangenen Jahren immer wieder Akte von Vandalismus und mutwilliger Zerstörung von Dingen auf, die andere Mitbürger/innen ehrenamtlich für die Gemeinschaft erstellt hatten. Auf Seiten der Täter/innen weist das auf ein hohes Maß an fehlender Empathie hin.
Empathie oder auch Einfühlungsvermögen ermöglicht es uns zu verstehen, wie es in einem anderen Menschen aussieht. Empathie ist eine erlernte Eigenschaft, Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und Absichten deines Gegenübers wahrzunehmen, zu verstehen und nachzuerleben. Das passiert über Spiegelneurone in unserem Gehirn. Diese Netzwerke und ihre Fähigkeiten müssen allerdings von Klein auf zu Hause und im nahen Umfeld in ihrer Funktion entwickelt werden – ebenso wie die Fähigkeit eigene Impuls zu steuern, zu kontrollieren und Werthaltungen zu verstehen und zu übernehmen.
Überlegungen des Chefredakteurs der Neuen Züricher Zeitung Eric Gujer präsentiere ich hier für eigenes Nachdenken in einem kurzen Auszug:
„Wir amüsieren uns zu Tode. Zu diesem Fazit gelangte im Jahr 1985 der amerikanische Soziologe Neil Postman.
Wir verstanden den Satz bisher als Metapher dafür, wie Medien und Unterhaltungsindustrie unser Leben bestimmen.
Seit dem Brand von Crans-Montana wissen wir: Er hat auch eine schreckliche, nämlich wörtliche Bedeutung.

Noch im Moment der höchsten Gefahr, als das Feuer bereits die Decke des Kellers erfasst hatte, tanzten die jungen Gäste ausgelassen. Es war wichtiger, die züngelnden Flammen mit dem Handy zu filmen, als sich in Sicherheit zu bringen.
Was am frühen Neujahrstag in der Bar «Le Constellation» seinen Lauf nahm, kann als Sinnbild für eine enthemmte Spassgesellschaft und Krise der Eigenverantwortung gelten.
Doch nicht die Jugendlichen sind schuld – und das gilt nicht nur, weil die Pietät eine solche Zuschreibung angesichts von 119 Verletzten und 40 Getöteten verbietet.
Reglementierung schafft ein trügerisches Gefühl von Sicherheit (ebenso wie die verbliebene kindliche Erwartung, dass andere für uns Sorge tragen (Anm.d.Verf.))
Es amüsierte sich auch keine von Smartphones und Social Media verblödete Generation zu Tode, wie manche Ältere behaupten, um das Unerklärliche zu erklären. Die Jugendlichen übernehmen nur die Werte, die ihnen die Gesellschaft vorlebt.
Diese Werte sind hedonistisch. Vergnügen und Konsum stehen an oberster Stelle.„
Soweit die Schweizer Überlegungen, die uns alle betreffen und die lästige Frage aufwerfen, was leben wir Erwachsene unseren Kindern alltäglich mit unserem eigenen Verhalten vor – natürlich ohne böse Absichten, aber eben doch mit Folgen, die wir oft nicht bedenken.
Kinder reagieren auf Stimmungen bevor sie sprechen können, sie übernehmen und reagieren auf unsere Haltungen und Verhaltensweisen. Sie lernen Lösungen, um eigenen wie familiären oder gruppenspezifischen Stress zu reduzieren. Das kann auf konstruktive Weise wie auf destruktive Art geschehen.
Je mehr wir wertschätzen können, was und wie andere sind, um so friedlicher kann unser Zusammenleben sein – denn das Elementare lässt sich nicht kaufen.
Text- und Fotoquelle: NZZ – Der andere Blick<dab@mailings.nzz.ch>
