Typischerweise gehen wir mir positiven Erwartungen in neue Beziehungen und, wünschen uns in einer Liebesbeziehung sogar „endlich angekommen“ zu sein, so ein Teilnehmer bei der Picknickwanderung in Krumbach am 5. März 2026 bei den Generationengesprächen von „Biebertal Gemeinsam“.
Diese realen analogen Gespräche, im Gegensatz zu den heute vielfachen virtuellen medialen, hatten die Pädagogin Luisa Ehlicker Glaub und Dr. med. Alfons Lindemann initiiert, um in Biebertal das soziale Miteinander und insbesondere junge Eltern im Austausch mit lebenserfahreneren Menschen zu unterstützen.

Thema in diesem Monat waren Konflikte, die in allen möglichen Lebenslagen unvermeidlich und auch sinnvoll sind, wenn es die Bereitschaft zum Verstehen und für Lösungswege gibt. Solche Wege wurden bei den Gesprächen im heiligen Forst aufgezeigt. Unterdrückten und Totschweigen von konflikthaftem hilft sicher kurzfristig, langfristig aber wird sich der Ärger auch entladen, dann aber meist an unpassender Stelle und eskalierend.
Der Begriff „Konflikt“ kommt vom lateinischen Wort „confligere“, „zusammenprallen“, was im Deutschen „Auseinandersetzung, innerer Zwiespalt und Widerstreit“ einschließt. Vor allem aber wird mit der latein. Vorsilbe „con“ das „mit, zusammen, miteinander“ betont. Dabei ist es dann ausschlaggebend, ob ich mein Gegenüber als wundervolle Ergänzung meiner eigenen Perspektive und damit als Bereicherung oder als Bedrohung meiner Weltsicht einstufe.
Oft geht es im Streitgespräch um eine aktive Auseinandersetzung, etwa zwischen gegensätzlichen Meinungen oder Bedürfnissen. So wurde z.B. über Konflikte zwischen Eltern und Kindern oder auch mit der Partnerin / dem Partner gesprochen, wobei interessanterweise wieder, wie in anderen Gesprächen zuvor mit anderen Beteiligten, „Schuld“ und „Schuldgefühle“ thematisiert wurden. Dazu führte Dr. Lindemann aus, dass die Vorstellung von Schuld auf linearer Logik von Ursache und Wirkung beruht, was aber in so komplexen Strukturen wie einer Familie z.B. kaum vorkommt. Genauer hingeschaut sind es nahezu immer vielfältige Faktoren, u.a. das eigene Stresslevel, die bei derartigen unwillkürlichen Inszenierungen eine Rolle spielen. Da braucht es die Bereitschaft und Fähigkeit der Beteiligten, für Momente – oft auch Minuten bis Stunden -, mit angesagter Rückkehr, zurückzutreten, um erst einmal das Gemüt zu beruhigen. Denn im Krisenmodus lässt sich weder konstruktiv noch kreativ denken. Wie, wann und wodurch auch immer sich unser Ich bedroht fühlt, da springen archaische Reaktionsmuster an, die zur Lebensrettung da sind – unabhängig davon, ob das in der aktuellen Situation angemessen ist oder nicht. Flucht, Aggression oder Dissoziation (totstellen) sind da die von Person zu Person typischen, schon in frühester Kindheit „programmierten“ Reaktionsmuster.
Der Umgang mit Konflikten ist eines der 8 Themen, die jedes Paar besprechen sollte. So fand es John Gottman heraus, emeritierter Psychologieprofessor der University of Washington, der durch seine Beziehungsanalysen zur Ehestabilität durch direkte Beobachtung bekannt wurde. An seinen als bedeutsam gefundenen Themen orientiert sich das Referentenpaar in diesem Jahr, nachdem sie sich im vergangenen Jahr um neuronale Entwicklungen während Schwangerschaft und Kindheit befasst hatten.
Gottman beziffert ca. 70 % der Beziehungskonflikt als „Ewigkeitsthemen“, die es gilt als tief in der Persönlichkeit verwurzelt anzuerkennen und stehen zu lassen. Lösbare Konflikte hingegen sollten möglichst zeitnah aufgegriffen und diskutiert werden, um zu klären: Missverständnis? Dann bedarf es mehr an Hintergrundinformationen, um den Boden für ein gemeinsames Verständnis zu finden. Stehen die Kontrahenten jedoch mit unterschiedlichen Zielen oder Wertvorstellungen im Konflikt, so braucht es meist viele Feedbackschleifen, um einen Kompromiss zu finden, der für beide tragbar oder sogar einen Gewinn darstellt. Mit einer weiteren Variante sind wir konfrontiert, wenn uns bestimmte Worte, Verhaltensweisen oder Umstände „triggern“ = spontan und unwillkürlich, rasend schnell reflexartig reagieren lassen. Hier sind wir meist mit Übertragungsproblemen beschäftigt, d.h. die aktuelle Reaktion erfolgt in Verwechslung mit früheren Personen, Situationen, Verletzungen oder mit vorgestellten zukünftigen, die man vermeiden möchte. Dann braucht es eine Aufklärung, wohin das eigene Reagieren zeitlich und personell gehört, das wir als so bedrohlich oder schmerzhaft erleben, „als ob“ das frühere oder imaginierte gegenwärtig sei. Im Hintergrund stecken da unerfüllte Bedürfnisse und traumatische Erlebnisse, die bislang nicht als ein Früher verarbeitet werden konnten.
Kinder und emotional nahe Personen sind da sehr wertvolle Sparringspartner, die auf die noch zu erledigenden Themen (immer wieder) hinweisen und uns so zu innerem Wachstum anhalten.
Falls Verletzungen vorkommen, was in Beziehungen kaum zu vermeiden ist, sollte man sich über Wiedergutmachungsmöglichkeiten unterhalten, die allen Freude bereiten.
Am 15. April geht es um 19 Uhr mit dem Themenfeld „Intimität und Erotik“ im Bürgerhaus Biebertal-Rodheim mit den Gesprächen weiter.
Zuvor fand am 11. März um 20 Uhr in der FeG Frankenbach, Erdaerstr. 16 ein Vortrag zu „Angst und hilfreichem Umgang damit“,
sowie heute in Krumbach, Marburger Str. 12 am 24. März um 19 Uhr ein Austausch zum Thema „Entscheidungsschwierigkeiten“ statt.
Fotos: L. Ehlicker Glaub

